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Die Wegwerfgesellschaft - eine weggeworfene Gesellschaft


 

Eine Wegwerfgesellschaft seien wir heute. Überall schimpft man das und jeder benützt dieses Wort. Gerade weil dieser Begriff so omnipräsent ist, möchte ich mich hier einmal genauer mit ihm auseinandersetzen.

Als erstes wäre es wohl angebracht, eine Definition zu nennen. Das eine Wegwerfgesellschaft eine Gesellschaft ist, die etwas wegwirft ist wohl schon aus dem Wort ersichtlich. Schwieriger wird dann die Nennung dessen, was sie den entsorge. Hier bin ich mir sicher, dass bei einer Umfrage viele verschiedene Meinungen zum Vorschein kämen.

 

So würde wohl ein Umweltaktivist die Verschmutzung durch den vielen Abfall, den unsere Gesellschaft produziert, nennen. Dies scheint nicht nur in Neapel Probleme zu verursachen. Viele Materialien werden unsachgemäss entsorgt und belasten die Umwelt direkt oder indirekt mit ihren Luftschadstoffen.


Doch könnte jemand anderes dieses Problem auch von der anderen Seite betrachten.

Unseren recht hohen Lebensstandard, der sich im Verlaufe des letzten Jahrhunderts zu dem entwickelt hat, was er jetzt ist, scheint uns in irgendeiner Art und Weise auch zu prägen.
Wir vermögen es zunehmend uns alle möglichen Sachen zu kaufen. Beeinflusst durch Werbung, Status oder vielleicht sogar Langeweile. Alte Sachen sind nicht mehr en vogue oder eben "in".
Neue Sachen sind schnell gekauft, billig noch dazu und erfreuen uns eine kurze Zeit lang, bis wir wieder etwas Neues kaufen müssen um unser Glück zu schmieden.
Möglicherweise ist dies jetzt etwas gar zynisch ausgedrückt. Doch weint jedes Kind, wenn es mit einer Jacke zur Schule muss, die nicht mehr dem Zeitgeist entspricht.
Und dieser ändert sich laufend. Gut möglich, dass das früher anders war, als die Zeit angeblich weniger schnelllebig gewesen sei. Ich kann dies schlecht beurteilen, auch ich bin ein Kind der heutigen Zeit.

 

Manche betrachten den Ausdruck der Wegwerfgesellschaft aber auch unter einem ganz anderen Aspekt. Auch ich würde mich davor hüten, diese Ideologie des Wegwerfens und der Schnelllebigkeit nur auf materieller Ebene zu betrachten. Dies wäre etwa so falsch als würde ich die Handlungen der Menschen getrennt von deren Gefühlen und deren Denkens betrachten.

 

Dazu möchte ich einen Aspekt betrachten, der sich mit dieser Zeit entwickelt hat. Es ist dies das Nomadentum, welches uns durch unsere Umstände aufgezwungen wird. Die Arbeit, die Familie und sogar die Freizeit, alles spielt sich woanders ab.
Und sobald die Arbeit nicht mehr das höchste aller Dinge ist, eine neue Herausforderung gesucht wird oder einfach eine Ausbildung fertig ist, wird munter gewechselt. Man wechselt den Wohnort nimmt ein paar Bananenschachteln gefüllt mit den Resten des alten Lebens mit und beginnt woanders neu.

Dafür ist es wichtig, sich schnell auf neue Situationen einstellen zu können. Sich in einer neuen Umgebung, die man noch kaum kennt, wohl zu fühlen und ein neues Beziehungsnetz zu entwickeln.

 

Doch wo neu angefangen wird, gibt es auch immer die andere Seite. Jene, die aufgegeben wurde, ein Mensch der wegzieht. Weniger geübte Mitmenschen mag dies vielleicht schmerzen.
So auch mich, als ich letzen Sommer eine Freundin besuchen wollte, mit der ich fast täglich den gleichen Heimweg teilte und nicht selten stundenlange Gespräche führte.
In ihrer Wohnung öffnete ein mir unbekannter Mann die Tür und schaute mich irritiert an, als ich nach ihr fragte. Sie sei weggezogen. Ob sie mir das denn nicht mitgeteilt hätte. Und nein, sie sei nicht mehr in der Stadt, nicht einmal in der Nähe.

Für mich war das sehr schwer. Ohne sich zu verabschieden hat sie ihr altes Leben hinter sich gelassen, wie ein altes paar Schuhe, die nur noch darauf warten von der Müllabfuhr mitgenommen zu werden.


Doch sehe ich mich gezwungen wenigstens einen Teil dieses Verhaltens zu verstehen. Sie brauchte mich für ihre neue Welt nicht mehr und liess mich mit den alten Sachen zurück.

Freunde sind heute nur noch Lebensabschnittsfreunde und werden gegen neue ausgetauscht, sobald die Bedingungen sich ändern.

Die emotionale Bindung spielt hier eine wohl eher untergeordnete Rolle. Viel wichtiger scheint der Zeitvertreib oder einfach nur Spass auf Zeit.

 

Ob dies aus Zweckmässigkeit geschieht oder weil jeder Mensch sich selbst am nächsten ist, scheint nicht immer ganz klar. Die Grenzen dazwischen sind verschwommen und nicht zuletzt ist diese Interpretation wohl auch den Gefühlen des Betrachters unterworfen.

So wird ein verlassener Familienvater, dessen Frau sich so neumodisch "selbstverwirklichen" möchte, dies ganz bestimmt anders sehen,  als jemand der für einige Jahre in eine neue Stadt zieht, eine neue Ausbildung beginnet und dort um den Aufenthalt etwas angenehmer zu gestalten, neue Freunde sucht. Trotzdem ist es irgendwie das gleiche, es bleiben Menschen zurück, die keine andere Wahl haben, als sich damit abzufinden.

 

Die Zeit ändert sich nun mal und den einzelnen Menschen bleibt nicht viel anderes übrig als sich dem Laufe der Zeit anzupassen, so scheint es. Für radikale Aussteiger, sofern es sie denn gibt, hält die Gesellschaft nicht viel Platz frei. Schon seit jeher ist es so, dass die Gesellschaft nur Leute akzeptiert, die sich ihren Gesetzen unterwerfen, mit dem Strom schwimmen bringt Vorteile.
Ein Mittelweg zwischen Anpassung und Eigenständigkeit wird zwar oft angestrebt, doch gestaltet sich dieser äusserst schwierig.

 

Welche Auswirkungen dieser Lebensstil auf den einzelnen Menschen hat, lässt sich nur erahnen.

So gehe ich davon aus, dass viele kurzzeitige Freunde niemals einen einzigen Freund ersetzen können, der einen schon das Leben lang begleitet, dadurch dementsprechend gut kennt und auch verstehen kann.
Ich nehme aber auch an, dass sich das Bedürfnis des Menschen, nach etwas Nähe, Verständnis und Geborgenheit wohl kaum geändert hat. Somit müsste man denken, dass der einzelne Mensch der heutigen Zeit, immer einsamer werden würde und die Gesellschaft aus vielen Einzelkämpfern bestünde.
Ob dies dann überhaupt noch der Definition einer Gesellschaft entsprechen würde oder ob man sich dieser zwischenzeitlich schon entledigt hat, in dem nur noch viele einzelne Personen nebeneinander existieren, scheint mir fraglich.

Klar jedoch ist, dass wir auch nicht alle gleich auf diese sich schnell verändernden Umstände reagieren. Manche gehen mit der Zeit, sind flexibel und fühlen sich ungebunden, wie viele jedoch zu der anderen Sorte gehören, die mehr Mühe damit haben, lässt sich wohl kaum abschätzen.


Schlussendlich soll auch jeder selbst eine Antwort dazu finden. Für ein Patentrezept ist jeder zu individuell. So kann ich denn auch nur Ansätze liefern. Einen Anstoss zu denken.
Sich zu überlegen, ob man den selbst noch glücklich ist mit diesem Lebensstil. Ob man Freunde hat, von denen man verstanden wird und mit denen man sich wohl fühlt. Freunde, die auch für anderes gut sind, als nur um Spass zusammen zu haben.
Oder ob man einsam ist, ein trockener vom harten Buissness geprägten Manager seiner selbst.

Somit möchte ich niemandem Lebensziele liefen, oder gar bestehende in Frage stellen, ich möchte nur dazu anregen, einen eigenen, ehrlichen und funktionierenden Weg zum persönlichen Wohlbefinden zu suchen.

 

 

daran habe ich heute nachmittag herumgesponnen...
vielleicht gefallen gewisse gedanken.

und hoffentlich wird die note zufriedenstellend sein. 

14.3.08 23:14
 


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bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


flo / Website (15.3.08 02:10)
fuer gute gedanken kann man schlechtesten falls ein 'gut' bekommen...

ich weiss nicht, wie es ist, mit 'wegwerf-freundschaften'.

erst heute traf ich wieder jemanden, der jetzt ein kind bekommt, die ich seit einem halben jahr nicht mehr getroffen habe und davor ein jahr, von dem ich mich dennoch mit einer umarmung verabschiedet hatte.


sternakind / Website (15.3.08 14:49)
ja vielleicht.
ich habe andere erfahrungen gemacht.
zwecksfreundschaften auf zeit.

ich finde es schade, keine antwort auf einen gruss zu bekommen. und dies ohne irgeneinmal gestritten zu haben.


flo / Website (15.3.08 18:21)
ach, dann gruess ich dich lieb [vielleicht vergesse ich auch manchmal, zu gruessen, weil ich meine gedanken vielleicht wo anders habe, oder einfach, weil ich es wirklich vergessen hatte].


sternakind / Website (16.3.08 16:53)
nein, so hatte ich dies nicht gemeint. diese worte waren nicht an dich gerichtet....

ich wollte viel eher erzählen wie es mir manchmal erging, als ich ihnen begegnete. den ehemaligen klassenkameraden zum beispiel.

es tut mir leid, dass du mich missverstanden hast!!!

aber ich grüsse dich natürlich auch lieb

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